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Die Geschichte "Landesbühne" lässt Siegfried Lenz zur Hälfte in einem Ort namens Isenbüttel spielen. Und den gibt es wirklich - Reiner SilberStein ist selbst dort aufgewachsen, in dem rund 5000-Seelen-Dorf im östlichen Niedersachsen (Landkreis Gifhorn). Mit dem wirklichen Isenbüttel an der Hehlenriede hat Lenz’ Isenbüttel allerdings nichts zu tun. Das ist schon daran zu erkennen, dass es im irrealen Ort ein Gefängnis gibt und Isenbüttel offensichtlich in Schleswig Holstein liegt. Dennoch: Irgendwie muss den bedeuteten Schriftsteller der Gegenwartsliteratur der Dorfname inspiriert haben, zumindest besonders aufgefallen sein.
In der Novelle geht es um die Insassen des Isenbütteler Gefängnisses, allesamt Kleinkriminelle und verkannte Genies. Hannes hat zum Beispiel mit geklauter Polizeikelle illegal Bußgelder erbeutet, der erzählende "Professor" Studentinnen gegen Zuneigungen durchs Examen geschleust, Ferdi Bolzahn war Heiratsschwindler. Sie fühlen sich zu hoch bestraft, wollen fliehen. Und das gelingt ihnen auch eines Tages. Als die Theatergruppe "Landesbühne" im Speisesaal auftritt – mit einem Stück übers Verschwinden –, kapern die Häftlinge deren Bus, geben Gas und genießen ihre neu gewonnene Freiheit im Nachbarort Grünau, wo sie für talentierte Künstler gehalten werden. Ganz klares Bild: Isenbüttel gibt im Buch den Ort ab, den es zu verlassen gilt – "raus aus dem Käfig ist das Ziel", "Isenbüttel überwinden". Laut Lenz ist es ein Ort, an dem "der Ernst herrscht", eine "Gleichförmigkeit der verstreichenden Tage". Trist also, traurig.
Das Dumme für die Flüchtlinge ist, dass sie erwischt werden – gerade als sie in Grünau umjubelt werden. Derselbe blaue Bus der Landesbühne bringt sie nach Isenbüttel zurück. Es herrscht Schweigen, Rat- und Appetitlosigkeit, Resignation. Dass die Heimkehrer wie Sieger begrüßt werden, heißt eigentlich nur, dass in Isenbüttel lauter Verlierer sitzen. Bolzahn nimmt sich das Leben, weil er zurück muss. Immerhin: Zumindest gibt es so etwas wie echte Freundschaft dort – ein kleiner Trost. Siegfried Lenz: Landesbühne, Hamburg 2009 Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form am 30.9.2009 in der Braunschweiger Zeitung.
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