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Zwischen Schöpfung und Erschöpfung PDF Drucken E-Mail
 Diesen Weg beschritt die Calberlaher Christus-Gemeinde zum ersten Mal - der Redakteur der Braunschweiger Zeitung auch: berufstätige Männer auf dem Pilgerpfad Loccum-Volkenroda in Thüringen.

Ergreifende Erlebnisse, beeindruckende Bilder, Melodiefetzen – und leichte Schmerzen. Das sind die ersten Erinnerungen am Morgen nach der Heimkehr. Muskelkater in den Beinen hatte ich. Kein Wunder – schließlich haben wir 80 Kilometer durch das Eichsfeld zurückgelegt, und das an vier Tagen.
Die Pastoren Stephan Eimterbäumer und Wolfram Bach sowie 14 Männer hatten sich auf den Pilgerweg gemacht, auf das Teilstück der Strecke Loccum-Volkenroda vom thüringischen Arenshausen über Heiligenstadt, Lengefelder Warte zum Zisterzienserkloster und noch einmal zurück nach Mülhausen. Auf diesen Pfaden wandelten Mönche vermutlich schon vor 800 Jahren, offiziell und ausgeschildert ist der Pilgerweg aber erst seit 2005.
Mit dem Angebot wollte die Christus-Kirche Calberlah zusammen mit dem Kirchenkreis berufstätige Männer ansprechen, möglichst Familienväter – sie aus dem Alltag reißen, ins Gespräch bringen, auf andere Gedanken bringen, gern auch auf religiöse. Die Gemeinschaft fand sich schnell aus Calberlah und Umgebung. An einem Freitag Ende September ging es los.
Eins fehlte mir am Anfang jedoch: ein Pilgerstab. Nicht irgendein Stück Holz! Der richtige muss erst gefunden werden. Dann wird mit den anderen gefachsimpelt über Form, Belastbarkeit, übers Schnitzen und Ölen.
Männer unter sich. Sie pilgern heutzutage nicht mit Faltkarte, sondern mit Technik in der Hand. Pastor Stephan Eimterbäumer führte die Gruppe neben dem Blick auf Radkreuze als Zeichen am Wegesrand auch per Navigationsgerät im Handyformat. Auch ich nutzte mein Smartphone, um die Strecke per GPS mit Zeiten und Höhenunterschieden aufzuzeichnen. Das war nicht lebensnotwendig, aber zeigte täglich, was man hinter sich ließ.
Der Funkempfang war allerdings ausgeschaltet – kein Anruf aus der alltäglichen Welt sollte uns stören. Wir sollten über unser Leben nachdenken. Manch einer grübelte über berufliche Weichenstellung – Karriere oder mehr Zeit für die Familie anstreben? Andere über private Ziele oder über Gott und die Welt. Wir fragten uns hinterher, ob Frauen auch eine Stunde bewusstes Schweigen durchgehalten hätten.
Es ging in Summe rund 1800 Meter bergauf und 1800 Meter wieder bergab. Eine sportliche Leistung, die einige Liter Schweiß kostete. Selig waren die, die beim Packen ihres Rucksacks wussten, wie man verzichtet. Zwei Funktions-Shirts, zwei Hosen, Waschzeug und Verpflegung hätten eigentlich gereicht. Die Regenjacke war im Grunde überflüssig, alles andere purer Luxus.
Wie erholsam war es dann nach einer anstrengenden Etappe bei Sonnenschein und 25 Grad Celsius, eine kühle Kirche zu betreten. Die Erholung kam durchs Sitzen und durch die besinnliche Andacht.
Wir waren auch auf der Jagd – nach Stempeln der Gotteshäuser, Kloster und anderer Stationen. Kleine Trophäen im Pilgerpass. Von vielen Stationen am Weg bleiben aber nur Bilder in Kopf oder Fotoapparat: Die Aussicht vom Iberg auf Heiligenstadt, Ziegen in einem Dorf, geschwungene, malerische Landschaften, steile Anstiege, die Quelle der Unstrut, das „bisschen bunte“ Café in Dachrieden, die Durchquerung eines Bachs, der Christus-Pavillon der Expo 2000 in Volkenroda.
Kraft schöpfen konnten wir immer wieder in den Herbergen – Bergkloster Heiligenstadt, Pension in Küllstedt und Klostergut Volkenroda – nicht nur bei Gebeten (zwei Abendmahle innerhalb von zwölf Stunden habe ich wirklich noch nie erlebt), sondern zu gediegener Stunde auch bei Lagerfeuer, Grillgut, kühlem Bier oder fruchtigem Wein.
Wir haben uns auf die Suche nach Gott gemacht, auch nach uns selbst. Aus der zufällig zusammengekommenen Gemeinschaft wurde eine eingeschworene. Freunde. Wir haben viel gefunden, entdeckt und gelernt. Aber sicherlich nicht alles. Dafür gibt es nur eine Erklärung: Eigentlich war der Weg viel zu kurz.

Weitere Fotos von Silberstein von der Pilgertour

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Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 2. Oktober 2012 )
 
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