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Es war ein mutiger Selbstversuch: Nordmanntannen wollte er an den Mann bringen - oder eben an die Frau. Einen halben Tag lang hat sich Reiner SilberStein als Weihnachtsbaumverkäufer verdient gemacht. Diese Reportage ist das Ergebnis.
Knallorange ist das Lätzchen, das ich mir überziehe – jeder weiß nun: Dieser Mann gehört zum Team des Verkaufsstands an der Tangente Richtung Wolfsburg. Mein Vorgesetzter ist Rolf Buhmann, in Isenbüttel sonst als Vorsitzender der Singgemeinschaft bekannt. „Mitkommen, gleich mal zehn Tannen schleppen!“, hat allerdings wenig Melodisches.
Die Bäume sind nicht schwer, nur das Entnetzen fällt mir nicht leicht. „Herr Silberstein! Anders herum halten, sonst bricht die Spitze ab!“, ruft Jörg Räke herüber – der selbstständige Förster aus Isenbüttel ist zusammen mit Christian Wigmann Chef des Stands. Ein Junge erlöst mich. Er fragt: „Was kostet der Kleine da?“ Mein erstes Verkaufsgespräch! Es endet ziemlich plötzlich. Der nächste, Cord Holsten aus Isenbüttel, kann sich nicht entscheiden: „Ich gehe erst einmal einen Glühwein trinken.“ Danach sind alle Tannen schön. Ein anderer, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, verrät im Flüsterton: „Eins sollte man lassen beim Baumkauf: Seine Ehefrau mitbringen.“Buhmann kann das mit dem Verkaufen viel besser, hat gerade eine junge Familie am Wickel: „Schauen Sie, der Baum hat einen gewissen Reiz. Ich kann ihn auch mal drehen.“ – „Ach ne“, sagt Sabine Latzke aus Gifhorn, „der hat eine krumme Spitze.“ – Buhmann: „Die sind ja auch in der Natur gewachsen. Wenn Sie die Spitze kappen, ist es ein schöner Adventskranz.“ Mit dem gelernten Wissen über Verkaufsgespräche gewappnet begleite ich ein Ehepaar aufs Feld zum Selbstschlagen – im Zickzack durch die Blaufichten. „Wir wollen einen schönen Großen“, so Carola Dragendorf aus Wasbüttel. Aber was ich auch präsentiere, stets ist etwas auszusetzen: „Der hat zwei Spitzen, der ist unten nicht mehr schön, zu kurz, zu krumm, ...“ Dann spricht Ehemann Hermann ein Machtwort: „Jedes Jahr der gleiche Zirkus! Wir nehmen jetzt eine Nordmanntanne von vorn.“ Doch ohne dass der talentierte Verkäufer Überzeugungsarbeit leisten muss, läuft den Dragendorfs doch noch das passende Gewächs über den Weg. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Frauen das letzte Wort in Sachen Grünzeug haben. Kollege Falko Lenz zieht dreimal an der Schnur – die Kettensäge rattert los. Zweimal Gas geben, und innerhalb von wenigen Augenblicken liegt der Baum – zu spät für Herrn Dragendorfs Frage: „Wie viel Kohle wollt ihr eigentlich haben?“ Wieder schleppen, diesmal zum Eintüten. Der Tag ist geschafft, die Füße eingefroren. Jetzt hilft Glühwein am offenen Lagerfeuer – wie romantisch.
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